Extrem rechte Instrumentalisierungsversuche der Silvesternacht in Köln
Dieser Text wurde veröffentlicht am:
14. Januar 2026
In der Silvesternacht vom 31. Dezember 2015 zum 01. Januar 2016 ereigneten sich zahlreiche sexualisierte und misogyne Straftaten durch überwiegend migrantisierte Männer in und um den Kölner Hauptbahnhof herum. Es folgte eine ausgedehnte gesellschaftlich-mediale Debatte...
...über den Umgang mit derartigen Übergriffen. Argumentiert wurde dabei oftmals in rassistischer und projektiver Art und Weise. Es schien, als sei es jetzt – wo die Täter als nicht weiß ausgemacht wurden - möglich, das Thema der sexualisierten Gewalt und Übergriffigkeit gesellschaftlich zu thematisieren. Dabei war die Thematisierung von sexualisierter Gewalt und Übergriffigkeit schon längst überfällig, was frühere Veranstaltungen, wie beispielsweise jährlich die Feierlichkeiten rund um Karneval zeigen.. Der Unterschied: hier kamen die Täter meist aus der weißen Mehrheitsgesellschaft. Früh instrumentalisierten rechtsgerichtete Gruppen und Parteien die Ereignisse in der Silvesternacht in Köln für ihre eigenen, migrationsfeindliche und rassistische Agenda. Demnach ist es folgerichtig, dass auch zehn Jahre später verschiedene, (extrem) rechte Akteur*innen am 31. Dezember 2025 die „Kölner Silvesternacht“ zum Anlass für öffentliche Aktionen im Bereich des Kölner Hauptbahnhofs nahmen.
So kame zunächst am Abend des 30. Dezember etwa zehn Aktivistinnen der extrem rechten Frauengruppe Lukreta zusammen, um eine rassistische Banner-Aktion am Dom durchzuführen. Fotos der Aktion kursierten später im Internet – zu sehen sind darauf unter anderem Lukreta-Aktivistin Reinhild Boßdorf und Julia Gehrckens, Mitglied im Bundesvorstand der Generation Deutschland.
Am Vormittag des 31. Dezember f ührte der AfD-Kreisverband Köln eine „Mahnwache anlässlich des 10. Jahrestags der Kölner Silvesternacht“ vor dem Dom durch. Daran beteiligten sich unter anderem Christer Cremer, Wiebke Herrmann sowie Felix Helleckes (alle AfD-KV Köln).
Wenig später versammelten sich etwa 15 Personen in der Nähe zu einer „Sondermahnwache“ der extrem rechten Bürgerbewegung Pax Europa (BPE): Vor Ort war hier unter anderem Stefanie Kizina (BPE). Die rechte YouTuber*in Yennyfer Inden streamte die Veranstaltung. Antifaschist*innen wiesen in sozialen Medien ferner darauf hin, dass ein weiterer, rechter Streamer namens Sascha S. bei der Veranstaltung anwesend war. Sascha S. betreibt seit einiger Zeit einen AfD-nahen YouTube-Kanal. Auch der extrem rechte Kölner Rapper Michael R. war vor Ort.
In der Nähe der BPE-Veranstaltung waren ferner etwa 20 Personen zu einer eigenständigen „Mahnwache“ des transfeindlichen und antifeministischen Vereins Frauenheldinnen zusammengekommen: Bei dieser Versammlung ging es ebenfalls um die Übergriffe der Kölner Silvesternacht 2015, welche die „Frauenheldinnen“ zum Anlass nehmen konsequentes Abschieben zu fordern und diese Forderungen mit islam- und migrationsfeindlichen Inhalten zu legitimieren versuchten. Etwa 20 Menschen lauschten verschiedenen Redebeiträgen. Vor Ort waren Personen mit Flaggen vom Bündnis Sahra Wagenknecht – der Kölner Kreisverband der Partei hatte bereits im Vorfeld einen Aufruf zu der fraglichen Veranstaltung geteilt. (at)
