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Völkische Aktivistin Irmhild Boßdorf als AfD-Kandidatin fürs Europaparlament

Eine besondere Personalie der AfD-NRW wurde beim AfD Bundesparteitag in Magdeburg als Kandidatin fürs Europaparlament aufgestellt: Irmhild Boßdorf. In ihrem Wahlkampfvideo...

...gibt sie sich optisch bieder und ein bisschen gemütlich, inszeniert sich als fünffache Mutter und Großmutter – in der Rhetorik und der Weltanschauung aber radikal völkisch und antisemitisch. Und das ist keine Überraschung. Irmhild Boßdorf ist seit Jahrzehnten tief verstrickt in der „neu“-rechten Szene. Sie ist Witwe des 2020 verstorbenen neurechten Autors und Bundeswehrexperten Peter Boßdorf und Tochter des im Januar 2023 verstorbenen Günther Deschner, der u.a. Chefredakteur der NPD-nahen Zeitschrift „Zuerst“ war und eine Biographie über über SS Obergruppenführer Reinhard Heydrich schrieb, einen der Hauptorganisatoren des Holocausts und Leiter der Wannsee-Konferenz 1942.

Peter Boßdorf engagierte sich bei der NPD und den Republikanern, dem Gesamtdeutschen Studentenverband, dem Witikobund und war Mitglied im Thule Seminar. Außerdem schrieb er für die Junge Freiheit und hielt bereits im Jahr 2004 Vorträge bei der Winterakademie in Götz Kubitscheks Institut für Staatspolitik (IfS). Auch versuchte er – ganz im Sinne des neurechten Konzepts der „Metapolitik“ – seine rechte Weltanschauung in die subkulturelle New Wave- und Gothic-Szene zu tragen, indem er in der JF und dem alternativen Musik-Magazin Zillo positiv über rechte Bands berichtete. Ab dem Jahre 2004 war Peter Boßdorf stellvertretender Chefredakteur bei Soldat&Technik sowie weiteren Militärzeitschriften und baute diese teilweise mit auf. Er war weiterhin mindestens via Facebook befreundet mit Jens Grohnert, dem Kopf einer 2021 aufgeflogenen rechten Wehrsportgruppe aus Reservisten und ehemaligen Fallschirmjägern der Bundeswehr, das vermutete Ziel der Gruppe sei es gewesen, rassistische Anschläge durchzuführen und Migrant*innen zu töten. Bei mehreren Razzien wurden knapp 250 Waffen und Waffenteile sowie dazugehörige Munition gefunden.

Irmhild Boßdorf ist aber beileibe keine rechte „Frau von“ - seit Jahrzehnten schreibt die Historikerin selbst u.a. für die „Junge Freiheit“, arbeitet als Übersetzerin u.a. für Kubitscheks Verlag Anataios und ist als neu-rechte Netzwerkerin aktiv. Da sie muttersprachlich niederländisch spricht, besonders nach Holland und Belgien. Sie übersetzte ein niederländisches Buch von Thierry Baudet im auf neokonservative und extrem rechte Literatur spezialisierten Ares-Verlag (Leopold Stocker Verlag) aus Graz, „Oikophobie“. Dieses neurechte Kunstwort soll – als Gegensatz zur Xenophobie – den „Hass auf das Eigene“ beschreiben und dient der Diffamierung politischer Gegner. Auch pflegt sie besonders gute Kontakte zur rassistischen, nationalistischen Partei „Vlaams Belang“ aus Belgien. Bis zum Bekanntwerden ihrer extrem rechten Umtriebe arbeitete sie auch in Bonn im Haus der Geschichte. Irmhild Boßdorf ist seit einigen Jahren für die AfD aktiv, etwa als Mitarbeiterin des MdB Rüdiger Lucassen, Sprecherin des AfD KV Rhein-Sieg-Kreis und AfD-Fraktionsgeschäftsführerin im LVR. Auf ihrer Facebook-Seite sind antisemitische Chiffren wie „Globalisten“ präsent, in ihrem Wahlkampfvideo bewirtet sie Matthias „das freundliche Gesicht des NS“ Helferich und spricht vom „Great Reset“, einer unter Rechten und Verschwörungsgläubigen weit verbreiteten, antisemitisch aufgeladenen Verschwörungserzählung.

 

Auch ihre Kinder sind in der Szene aktiv und vernetzt. Ihr Sohn Friedrich Boßdorf kandidierte 2020 für die AfD in Königswinter. Ihre Tochter Gertrud Hilda war Aktivistin der IB und ist mit dem Neonazi und Gründer der IB Niederlande, Paul Peters liiert. Gemeinsam waren sie 2017 auf dem Unabhängigkeitsmarsch in Warschau, wo sich jährliche Tausende Nationalist*innen, Neonazis und Hooligans aus ganz Polen versammeln. Außerdem schrieb sie bis mindestens 2013 auch für die Junge Freiheit. Und Reinhild Boßdorf ist als rechte Influencerin, IB-Aktivistin und Gründerin von Lukreta die bekannteste extrem rechte Schlüsselfigur aus dem völkischen Boßdorf-Clan.

 

Auf Listenplatz 9 wurde Irmhild Boßdorf beim Bundesparteitag in Magdeburg als Kandidatin für das EU-Parlament nominiert. Auch die weiteren aufgestellten Personalien vom extremen Rechtsaußen Maximilian Krah aus Sachsen als Spitzenkandidaten oder dem Höcke-Vertrauten René Aust, zeigen, dass sich die AfD in ihrem derzeitigen Höhenflug keineswegs in taktischer Zurückhaltung übt. Eine völkische, extrem rechte, antisemitische Codes verwendende Nationalistin wie Boßdorf ist in dieser Partei durchaus am rechten Platz. Es bleibt zu hoffen, dass sich eine starke Zivilgesellschaft dem Wiedererstarken faschistischer Kräfte bundesweit entschieden entgegenstellt. Leider lassen die derzeitigen Debatten u.a. in der CDU nicht wirklich darauf hoffen. (dp)

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