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Impfpassfälschungen und Radikalisierungstendenzen der verschwörungsideologischen Corona-Leugner*innen Szene

Mit den weitgehenden Zurücknahmen der Corona-Schutzverordnungen für Geimpfte und Genesene lässt sich das Ende der Covid-19-Pandemie langsam abzeichnen. Dies sorgt innerhalb der sehr heterogenen, verschwörungsideologischen Szene der Corona-Leugner*innen und Impfgegner*innen für unterschiedliche Reaktion. Einerseits ist da ein Schrumpfen der öffentlichen Veranstaltungen wie Demonstrationen und Mahnwachen zu beobachten. So wundert es nicht, dass Kölner Aktivist*innen wie Bianca Pfaffenholz (Köln ist aktiv) und Johanne Liesegang in ihren Nachrichten an die „aktionsfaule Gefolgschaft“ zunehmend frustriert klingen. Andererseits ist ein großer Teil der Szene inzwischen ideologisch dermaßen in ihren kriegerischen Narrativen gefestigt, dass der Schritt in die Kriminalität oder sogar zu (potenziell) tödlicher Gewalt für sie längst als „Selbstverteidigung“ legitimiert ist.

Dies zeigt sich beispielsweise daran, dass im Verlauf der letzten Tage mehrfach vermutliche Impfpassfälscher*innen von der Polizei festgenommen wurden, etwa in Leverkusen und Köln. Beide Tatverdächtige scheinen auch im Handel mit illegalen Drogen verwickelt gewesen zu sein. Während in öffentlichen Telegram-Gruppen offen nach gefälschten Impfpässen oder Genesungsscheinen gefragt und damit die Nachfrage offenkundig wird („bin bereit 150 dafür auszugeben wenn mir einer sagt das alles klappt“) scheinen sich so manche Dealer*innen ein lukratives zweites Standbein mit dem Angebot gefälschter Impfausweise aufbauen zu wollen. In Aachen ermittelt derzeit die Polizei gegen vier Mitarbeiter*innen des örtlichen Impfzentrums, welche beim Diebstahl offizieller Materialien erwischt wurden. Diese sollten mutmaßlich dazu benutzt werden, um gefälschte Zertifikate ausstellen zu können.

Während sich die einen mittels Betrug und Schwarzhandel wieder ein „normales“ Leben erkaufen wollen („schön und gut aber ich will wieder ins Stadion und Karneval feiern aber ich will mich nicht impfen lassen“), sehen sich die anderen im offenen Widerstand gegen die imaginierte „Corona-Diktatur“. Diese Teile der Szene „boykottieren alle Impfpässe“ (also auch die gefälschten) und fühlen sich berechtigt, sich notfalls mit Waffengewalt gegen diejenigen „zu wehren“, die sie als Vollstrecker*innen der vermeintlich diktatorischen Maßnahmen wahrnehmen. So bedrohte ein 40-Jähriger wegen Gewalt- und Drogendelikten polizeibekannter Mann am 1. Oktober einen 28-jährigen Kioskbesitzer auf der Zülpicher Straße in Köln mit einem Messer. Dieser hatte ihn zuvor des Ladens verwiesen und aus dem Kiosk geschoben, weil sich der berauschte Mann weigerte, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Die Parallelen zum tödlichen rechten Anschlag in Idar-Oberstein vom 18. September 2021 sind offensichtlich und verdeutlichen die anhaltende Gefahr eines verschwörungsideologisch-radikalisierten Milieus. [dp]

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