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Kaum Distanzierung zur extremen Rechten: Querdenken in Düsseldorf

©rh, Düsseldorf 6. Dezember 2020

Für den 6. Dezember 2020 hatten „Querdenken Düsseldorf“ und „Querdenken Dortmund“ zu einer weiteren Veranstaltung gegen die Coronaschutzmaßnahmen aufgerufen. War anfangs von einer Giga-Demo mit 20.000 Teilnehmer*innen die Rede gewesen, wurden nach einer eher schleppend verlaufenden Mobilisierung diese großmündig verkündigten Zahlen wieder nach unten korrigiert. Auch von dem ursprünglich geplanten Corona-Info-Tag mit mehreren Bühnen, auf denen Stars der Stars der Verschwörungsszene wie Bodo Schiffmann, der sich mit der vermeintlichen Wissenschaftlichkeit eines Arztes umgibt und Michael Ballweg, einem der führenden Köpfe der Querdenken-Bewegung, sprechen sollten, blieb schließlich nicht mehr als eine Kundgebung übrig. Insgesamt waren schließlich rund 1500 Menschen in den Rheinpark Golzheim gekommen. Darunter wieder die übliche Mischung aus Esoteriker*innen, Verschwörungserzähler*innen, bürgerlichen Familien, fundamentalistischen Christ*innen, Rechtspopulist*innen und Neonazis.

Insbesondere 200-300 rechte Hooligans, die im Laufe des Tages von der Polizei festgesetzt wurden sorgten für mediale Aufmerksamkeit. Während große Teile der anwesenden Querdenker*innen diese Gruppe aufgrund von Vermummung und der Vermutung, es handele sich bei ihr um protestierende Antifaschisten, ablehnte oder sich mit der Aufforderung nach „Liebe und Freiheit“ begnügte, wurde sie von anderen im Sinne der Pluralität oder sogar aufgrund inhaltlicher Affinität begrüßt. Zu letzteren dürfte die umtriebige Kölnerin Bianca Pfaffenholz („Köln ist aktiv“) sowie ihr Mitstreiter Dieter Bartsch (Ex „Patriotic Opposition Europe“) gehört haben, die sich beide auf die Seite der Hools stellen. Aus Köln bzw. dem Kölner Umland waren zudem anwesend der Lifestyler Nana Domena, die Schwurblerin Johanne Lisegang, die Youtuber*innen Yennyfer Inden (Düren) und Kevin Gabbe, Cindy Kettelhut und Samy Musarie (aus dem Umfeld des Begleitschutz Köln).

Obwohl die extreme Rechte zwar nicht die Mehrheit der Teilnehmenden stellte, aber deutlich präsent war (so waren Mitglieder von „Die Rechte“, der „Bruderschaft Deutschland“, HoGeSA, „Der Dritte Weg“ und der „AfD“ vor Ort), gab es auch von der Bühne aus nur wenig Distanzierung. „Wir möchten hier niemanden vor den Kopf stoßen, der sich den Zielen von Querdenken anschließt“, rief der Redner Marcel Wojnarowicz dem Publikum zu. So wurde in Düsseldorf erneut deutlich, dass die Querdenken-Bewegung all diejenigen willkommen heißt, die sich dem Narrativ des Widerstands gegen die vermeintliche „Corona-Diktatur“ anschließt. Diese wird begrifflich dem Nationalsozialismus gleichgestellt. Auch auf der Kundgebung am 6. Dezember war immer wieder von einem neuen „1933“ die Rede. Dabei imaginiert man sich selbst in eine Reihe mit Widerstandskämpfern gegen den NS oder ernennt sich selbst zu „Antifaschisten“. Diese Geschichtsblindheit und Anmaßung wird begleitet von halbherzigen und folgenlosen Abgrenzungen gegen Extremismus. Die auf den Flyern zu lesende Anmerkung „Von jeglicher Form gewaltbereiter/ extremistischer Links- oder Rechtsradikalität distanzieren WIR uns“ wurde spätestens mit dem Abend des 6. Dezember erfolgten Angriff von Hools auf Teilnehmer*innen der Gegenproteste in Duisburg zur Makulatur. (rh)

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