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Der 8. Mai – Tag der Befreiung

„Als die US-Truppen am 6. März 1945 bis zum Kölner Dom vorrückten, waren sie erstaunt, auf wie wenig Widerstand sie stießen. Die meisten der in der Stadt ausharrenden Kölner*innen zeigten sich erleichtert, dass mit der Ankunft der Sieger endlich auch das Ende des Bombenkrieges gekommen war. Die Bewohner*innen der rechtsrheinischen Stadtteile mussten hingegen bis Mitte April auf ihre Befreiung warten. Es vergingen weitere drei Wochen, bis ab dem 8. Mai 1945 dann mit der bedingungslosen Kapitulation des Deutschen Reiches endlich die Waffen zumindest in Europa endgültig schwiegen. So erlebten die Kölner*innen im Frühjahr 1945 gleich drei ‚Kriegsenden‘ – die in der Ausstellung des NS-Dokumentationszentrum materialreich und spannend dargelegt werden. (Nachdem 1985 der damalige Bundespräsident Weizsäcker dieses Datum als „Tag der Befreiung vom menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft“ bezeichnete, wurde eigentlich in der großen Mehrheit der Bevölkerung schon lange wird nicht mehr darum gerungen, wie der 8. Mai zu deuten sei. Inzwischen gibt es jedoch viele Stimmen, die eine inhaltliche Neu- oder Wiederbesetzung des Datums fordern. „Ich fordere: Der 8. Mai muss ein Feiertag werden! Ein Tag, an dem die Befreiung der Menschheit vom NS-Regime gefeiert werden kann. Es ist nicht hinnehmbar, dass 75 Jahre danach extreme Rechte in allen deutschen Parlamenten sitzen und in immer rascherer Folge Mord auf Mord folgt“, schreibt die Holocaustüberlebende Esther Bejarano. Die Lehren des 8. Mai umzusetzen, bedeute für sie u.a. „einzugreifen, wenn Jüdinnen und Juden, Muslime, Roma und Sinti und andere, die nicht in das Weltbild von Nazis passen, beleidigt und angegriffen werden.“

Norbert Frei verweist in der Süddeutschen Zeitung auf eine Solidarität, die sich auch ökonomisch ausdrücken müsse. Europa könne eine eindringliche Vergegenwärtigung dessen bitter gebrauchen, was im gemeinsamen Kampf gegen das nationalsozialistische Deutschland und nach der Befreiung Europas möglich wurde Drei Generationen nach der Befreiung […] hätte es etwas zutiefst Befreiendes, wenn sich die Exportnation Deutschland endlich von viel zu lange und viel zu stur propagierten finanzpolitischen Scheinprinzipien und falsch verstandenen wirtschaftlichen Eigeninteressen verabschiedete“, so der Historiker.

Zum Gedenken an das Kriegsende 1945 und das Ende der Naziherrschaft, wurde in Köln 1945 das Plakat „Fort mit dem Ding!“ 1945 von den Kölner Künstlern Hein Nöcker und Oskar Herbert Pfeiffer geschaffen. Das Plakat ist nun wieder in der Öffentlichkeit zu sehen. Stadtweit werden 1000 DIN A1 – Plakate geklebt. Zudem gibt es einen limitierten Sonderdruck des Plakates, der käuflich beim Arsch Huh e.V. und NS-Dok erworben werden kann. Das Projekt entstand nach einer Idee von Franz Kirchen unter Mithilfe von Manfred „Schmal“ Boecker, Reiner Nell, Philipp Petry, Kerstin Ziehe, Arno Steffen und Manfred Post. Unterstützt vom Kulturamt der Stadt Köln und Arsch huh, Zäng ussenander e.V., Verein EL-DE-Haus e.V. und dem NS-Dokumentationszentrum Köln

 

 

©migrantifaNRW, Instagram 14.03.2020

Migrantische Selbstorganisationen rufen anlässlich der Morde von Hanau für den 8. Mai zu einem „Tag des Widerstands“ auf. „Während der Krieg und die NS-Diktatur ihr Ende fanden, lebten die Nazi-Ideologie und ihre Vertreter*innen weiter und so haben Rassismus und Antisemitismus in Deutschland Tradition.“
Vier Beispiele dafür, welche Bedeutung der 8. Mai weiterhin hat und wie wichtig die Auseinandersetzung mit Geschichte für die Gegenwart zukommt. (kg)

 

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