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Oldschool Society: Verhaftungen auch in NRW

Düren/Borna/Bochum. Bei einer bundesweiten Razzia gegen die rechtsextreme Gruppe „Oldschool Society“ (OSS) wurden vergangene Woche zwei Neonazis verhaftet, die aus NRW stammen. Der Bochumer Olaf O. gehörte dabei auch zu den Teilnehmern des Aufmarsches der „Hooligans gegen Salafisten“ (HoGeSa) in Köln. Überdies war er einer der Ordner eines Neonazi-Aufmarsches in Kalk im Dezember 2011. Markus W. aus Borna stammt aus Düren und hat sich über Jahre in der unterdessen verbotenen „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL) sowie dem NPD-Kreisverband Düren bewegt.

Markus W. (rechts, von hinten) als Ordner bei einem Neonazi-Aufmarsch am 4. April 2009 in Stolberg bei Aachen. Foto: Michael Klarmann

Markus W. (rechts, von hinten) als Ordner bei einem Neonazi-Aufmarsch am 4. April 2009 in Stolberg bei Aachen. Foto: Michael Klarmann

Nach Recherchen des MDR fand die Polizei bei W., dem als „Vizepräsident“ der OSS firmierenden 39-Jährigen, fertige Sprengsätze. Die Razzia durch Spezialeinheiten fand statt wegen des Verdachts der Bildung einer rechtsterroristischen Vereinigung. Dabei kam es insgesamt zu vier Festnahmen, darunter in Borna Markus W. und in Bochum Olaf O. (47). Letztgenannter fungierte offenbar als selbst ernannter Pressesprecher der OSS. Beide und zwei weitere Personen, darunter die mutmaßliche Lebensgefährtin von W., Denise G. (22) aus Borna, sitzen nun in Untersuchungshaft.

Laut Bundesanwaltschaft sind die Beschuldigten dringend verdächtig, eine terroristische Vereinigung gegründet zu haben. Es wurden Mitte vergangener Woche die Wohnungen der Festgenommenen und weiterer fünf Beschuldigter sowie weitere Räumlichkeiten durchsucht. Neben Sachsen waren von den Maßnahmen Nordrhein-Westfalen, Bayern, Rheinland-Pfalz und Mecklenburg-Vorpommern betroffen. An dem Einsatz waren insgesamt etwa 250 Beamte des Bundeskriminalamts, der Bundespolizei sowie der Polizeibehörden der betroffenen Bundesländer beteiligt.

Der als einer der beiden Rädelsführer verhaftete Markus W. stammt aus Düren und hat sich vor seinem Umzug ins Leipziger Umland über Jahre sowohl in der NPD als auch in der „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL) engagiert. W. war beispielsweise im „Ordnerdienst“ des NPD-Kreisverbandes Düren aktiv und fungierte ab 2005 sporadisch auch als Ordner bei NPD-Infoständen oder braunen Aufmärschen wie jenen in Stolberg. W.s Eltern betrieben jahrelang eine Gaststätte in der Nähe des Dürener Bahnhofs, die als Treffpunkt für die NPD und die KAL diente. Dort fanden auch „Balladenabende“ und Versammlungen der Szene statt.

Bei der Gründungsfeier des NPD-Kreisverbandes Düren im Januar 2007 war W. in besagter Kneipe einer der Security-Mitarbeiter der NPD. Für die Partei fungierte er bei den Kommunalwahlen 2009 zudem in Düren-Stadt und im Kreis Düren als Direktkandidat in zwei Wahlbezirken, auch war er bei diesen Wahlen Kandidat auf den Reservelisten der NPD in Düren-Stadt und im Kreis Düren. Im Kommunalwahlkampf 2009 nahm er denn auch an einer Wahlkampfveranstaltung in der Dürener Fußgängerzone teil, bei der der damalige Parteichef Udo Voigt und der NRW-Ladeschef der NPD, Claus Cremer, Reden hielten. In jener Zeit war der heute 39-Jährige auch KAL-Mitglied. Um 2010 war W. nach Sachsen umgezogen, die KAL wurde 2012 verboten.

Auch Olaf O. soll sich seit Jahren in der rechtsextremen und Hooligan-Szene bewegen. Er war unter anderem aufgefallen, weil er als im Dezember 2011 als Ordner eines braunen Aufmarsches in Köln fungierte. Seinerzeit zogen rund 50 Neonazis durch Köln-Kalk, Versammlungsleiter war Christian Worch, heute Chef der Minipartei „Die Rechte“ (DR). Anlass für jenen Aufzug war ein Polizeieinsatz am 25. November 2011 gegen ein Neonazi-Treffen in Köln. Die Polizei hatte im Vorfeld mittels Kontrollen den für die Veranstaltung erwarteten Referenten David Duke, der zeitweise dem Ku-Klux-Klan in Lousiana vorstand, gestoppt und mangels Aufenthaltserlaubnis ausgewiesen.

Aus Protest dagegen meldeten Neonazis dann den Aufmarsch in Kalk an, bei dem O. als Ordner fungierte. Einer der Hauptredner bei jener Demonstration, die vor das Polizeipräsidium zog, war der damalige Neonazi Axel Reitz aus Pulheim. OSS-Vertreter wie O. oder Personen aus dem OSS-Umfeld sollen auch Ende Oktober 2014 am HoGeSa-Aufmarsch am Kölner Hauptbahnhof, der später in Ausschreitungen endete, teilgenommen haben. Zudem sollen sie einen Aufmarsch der Partei „Die Rechte“ (DR) in Dortmund besucht haben, wobei im Anschluss daran ein Konzert der Neonazi-Kultband des ehemaligen „Landser“-Sänger Michael Regener, „Die Lunikoff-Verschwörung“, stattfand.

Olaf O. (links, von hinten) im Gespräch mit Christian Worch und einem Polizeieinsatzleiter im Dezember 2011 in Köln-Kalk, kurz vor der Einweisung als Ordner. Foto: Michael Klarmann

Olaf O. (links, von hinten) im Gespräch mit Christian Worch und einem Polizeieinsatzleiter im Dezember 2011 in Köln-Kalk, kurz vor der Einweisung als Ordner. Foto: Michael Klarmann

W., O. und die anderen Beschuldigten sind laut Bundesanwaltschaft dringend verdächtig, sich spätestens im November 2014 gemeinsam mit weiteren Beschuldigten zu der später als rechtsterroristisch angesehenen Vereinigung „Oldschool Society“ (OSS) zusammengeschlossen zu haben. Nach den bisherigen Ermittlungen der Bundesanwaltschaft war es das Ziel der Gruppe, innerhalb Deutschlands in kleineren Gruppierungen Anschläge auf namhafte Salafisten, Moscheen und Asylbewerberunterkünfte zu begehen.

Nach Außen hin war die OSS mit einem eigenen Facebook-Profil aufgetreten. Ermittler wollen indes eine zunehmende Radikalisierung der einzelnen Gruppenmitglieder binnen kurzer Zeit festgestellt haben und überwachten auch die nicht öffentliche Kommunikation via Internet und Telefon des harten Kerns der Vereinigung. Dabei sollen sich für die Behörden konkrete Hinweise auf Anschlagsvorhaben ergeben haben. Der NRW-Verfassungsschutz schätzte die OSS daher auch als relativ gefährlich ein.

„Wir hatten wegen ihrer Gewaltfantasien Sorge, dass sie völlig durchdrehen“, sagte der Chef des Verfassungsschutzes NRW, Burkhard Freier, der WAZ kurz nach der Razzia. „Es handelt sich bei ihnen um Personen, die nicht über eine hohe Intelligenz verfügen, sondern eher dumpf sind.“ Laut „Spiegel“ gingen die Behörden davon aus, dass die OSS-Leute sich mittels hochexplosiver Knallkörper und Nägeln Sprengsätze bauen wollten. Die dafür benötigte Pyrotechnik habe man sich offenbar schon im Ausland beschafft. (Michael Klarmann)

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