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Veranstaltung mit Holocaust-Leugnern und Geschichtsrevisionisten im Rhein-Erft-Kreis

Die Neonazi-Szene plant unter teilweise konspirativen Umständen im Rhein-Erft-Kreis eine Art Klassentreffen prominenter Holocaust-Leugner und Geschichtsrevisionisten. Beworben wird die Veranstaltung ohne Ortsangaben auf neonazistischen Homepages und von verschiedenen Gliederungen der Partei „Die Rechte“ (DR). Demnach soll die „Vortragsveranstaltung“ provokativ terminiert am 9. Mai stattfinden.

Am 8. Mai jährt sich zum 70. Mal das Ende des Zweiten Weltkrieges sowie die Befreiung vom Nationalsozialismus. Angekündigt werden drei der in Deutschland führenden Holocaust-Leugner und Geschichtsrevisionisten, nämlich Ursula Haverbeck, Udo Walendy und Arnold Höfs (alias Herbert Hoff). Das Motto der Veranstaltung lautet „Der Wahrheit eine Gasse“, die Vorträge firmieren unter Titeln wie „8. Mai 1945“, „400 Jahre Krieg gegen die Mitte Europas“ und „Siegerjustiz im 21. Jahrhundert“.

Den Ort, an dem die Versammlung am 9. Mai um 15 Uhr beginnen soll, nennt keine der Ankündigungen. Interessierte können weitere Infos nur über eine Rufnummer und eine E-Mail-Adresse erfragen. Eine entsprechende Facebook-Seite zu dem Neonazi-Treffen hat der DR-Kreisverband des Rhein-Erft-Kreises online gestellt. Interessierte werden darauf hingewiesen, dass es „sich um eine nicht öffentliche Veranstaltung [handelt], wo nur Gäste mit entsprechender Einladung bzw. Anmeldebestätigung Zutritt erhalten.“

Die Vorsicht ist nicht unbegründet, hatten doch alle drei Referenten wegen ihrer Gesinnung schon teils erhebliche Probleme mit der deutschen Justiz. Walendy ist einschlägig vorbestraft und trat bei der letzten Oberbürgermeisterwahl in Mönchengladbach als Kandidat der NPD an. Auch Haverbeck wurde schon verurteilt wegen Holocaust-Leugnung. Kürzlich erst geriet sie erneut in die Schlagzeilen, weil sie gegenüber dem TV-Magazin „Panorama“ [http://daserste.ndr.de/panorama/Der-Holocaust-ist-die-groesste-und-nachhaltigste-Luege-der-Geschichte,holocaustleugner100.html] den Massenmord an den Juden bestritt. Demnach sagte sie: „Der Holocaust ist die größte und nachhaltigste Lüge der Geschichte.“

Für Haverbeck ist es nicht der erste Auftritt als Rednerin im Rheinland. Sie hielt etwa auf einer Versammlung von rechtsextremen und antisemitischen Russlanddeutschen in Stolberg-Venwegen (Städteregion Aachen) eine Rede [http://www.lap-aachen.de/cms/index.php/aktuell/meldungen/142-qrusslanddeutscheq-neonazis-tagten-in-stolberg]. Anfang Dezember 2013 war sie Starrednerin auf einer Weihnachtsfeier des DR-Verbandes im Rhein-Erft-Kreis. Die Holocaust-Leugnerin aus Westfalen gastierte ebenso im Mai und im November 2014 abermals auf Einladung der DR im Rhein-Erft-Kreis und hielt dabei wieder jeweils einen Vortrag.

Alle drei durch die DR als „Dissidenten“ angekündigten Redner gehörten auch zu den Verantwortlichen oder dem Umfeld des 2008 verbotenen „Vereins zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocaust Verfolgten“ (VRBHV) und dem geschichtsrevisionistischen Schulungszentrum „Collegium Humanum“ im westfälischen Vlotho. Das Bundesinnenministerium begründete jene Verbote damit, dass die Tätigkeit der Vereine aus antisemitischer Propaganda und der Verherrlichung der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft bestehe.

Beide Gruppierungen richteten sich gegen die verfassungsmäßige Ordnung und verstießen durch fortgesetzte Leugnung des Holocaust gegen geltendes Recht, so das Bundesinnenministerium. Die für den 9. Mai im Rheinland durch die DR angekündigten „Referenten“ dürften also mutmaßlich erneut diese Chance dazu nutzen, unter ihresgleichen die nationalsozialistischen Verbrechen zu leugnen oder zu relativieren. (mik)

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