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Großartige Entscheidung!

Um 17.51 Uhr hat der Rat auf seiner heutigen Sitzung für die Erweiterung des NS-Dokumentationszentrums im EL-DE-Haus gestimmt. Direktor Dr. Werner Jung sagt: „Danke an den Rat. Glückliches NS-DOK!“ Durch die Anmietung der beiden oberen Etagen im EL-DE-Haus kann das NS-DOK nun mit dem Konzept eines „Hauses für Erinnern und Demokratie“ ein modernes Angebot zur Demokratieförderung entwickeln und die pädagogische Arbeit sowie die Bildungsangebote ausbauen.

Hier der Wortlaut aus Begründung des Ratsantrags:

„1. Das NS-DOK als alleiniger Nutzer des EL-DE-Hauses als Schlussstein einer geschichtlichen Entwicklung

Das NS-Dokumentationszentrum hat in den letzten Jahren eine weit über die Grenzen Kölns hinaus anerkannte positive Entwicklung nehmen können. Stark gestiegene Besucherzahlen und die hohe Zahl von über 2.200 geführten Gruppen haben jedoch erhebliche räumliche Engpässe zur Folge. Um die pädagogische Arbeit und die Bildungsangebote zu stärken und das Konzept eines „Hauses für Erinnern und Demokratie“ umzusetzen, benötigt das NS-Dokumentationszentrum die beiden oberen Etagen im EL-DE-Haus, die derzeit noch vom Rechtsamt und dem Örtlichen Personalrat für das Dezernat Kunst und Kultur genutzt werden. Dass das ehemalige Gestapogebäude dem NS-DOK vollständig für seine Zwecke zur Verfügung gestellt wird, kann als ein logischer Endpunkt und als ein Schlussstein einer langen Geschichte des EL-DE-Hauses nach dem Ende Gestapozeit angesehen werden. In das ehemalige Gestapohaus zogen nach dem Krieg städtische Dienststellen ein. Ausgerechnet dort, wo die Gestapo ihre Opfer verhört und malträtiert hatte, wurden Jahre lang das Standesamt und die Rentenstelle untergebracht. Bereits in den letzten Jahren hat das NS-Dokumentationszentrum sich im EL-DE-Haus vergrößern können, nunmehr soll es zukünftig das EL-DE-Haus komplett nutzen. Das 1934/35 errichtete Gebäude erhielt nach den Initialen seines Bauherrn Leopold Dahmen den Namen EL-DE-Haus und befindet sich nach wie vor im Privatbesitz der Familie Dahmen.

2. „Haus für Erinnern und Demokratie“

Durch die Anmietung des dritten und vierten Obergeschosses möchte das NS-Dokumentationszentrum vor allem ein modernes Angebot zur Demokratieförderung entwickeln und seine Bildungsarbeit verstärken. Inhaltlich ist die Idee eines „Hauses für Erinnern und Demokratie“ eine Weiterentwicklung der bisherigen Arbeit des NS-Dokumentationszentrums, die sich nie alleine mit der Erinnerung und der Geschichte beschäftigt hat, sondern auch stets über Gefährdungen der heutigen Demokratie durch aktuelle rechtsextremistische Gruppierungen aufklären wollte. Denn, wer die Zeit des Nationalsozialismus erforscht und vermittelt, setzt sich auch zum Ziel, alles zu tun, dass eine solche Diktatur nie wieder zur Macht gelangen kann. In Zeiten wie diesen, in denen Demokratie gefährdeter erscheint, als es sich viele bis vor kurzem vorstellen konnten, ist eine Initiative zur Förderung der Demokratie ein wichtiger und notwendiger Beitrag. Das Erinnern an die NS-Zeit verstärkt mit der Förderung unserer Demokratie zu verzahnen, stellt eine wesentliche Weiterentwicklung der erfolgreichen Arbeit des NS-DOK dar.

Die einzelnen Teile des Konzeptes sind:

2.1 Erlebniswelt Demokratie: Tristan da Cunha – Abenteuer Demokratie auf einer Insel

Ein wesentlicher Teil des „Hauses für Erinnern und Demokratie“ wird das Erlebnismuseum sein, in dem eine Erlebniswelt Demokratie geschaffen werden soll. Das Erlebnismuseum unterscheidet sich von dem emotional berührenden Gedenkort Gestapogefängnis und der dokumentarisch-informativen Dauerausstellung, knüpft eher an das Geschichtslabor im Pädagogischen Zentrum des Hauses an. Das Erlebnismuseum eröffnet einen eigenen, auf Erlebnis und Erfahrung, nicht primär auf Kognition ausgerichteten Zugang zum Themenfeld Demokratie. Unter weitgehender Beibehaltung der bisherigen Raumstruktur soll auf der dritten Etage eine handlungsorientierte Rauminstallation geschaffen werden. Es ist ein Angebot, das sich in erster Linie an Jugend-Gruppen richtet.

Die Teilnehmenden werden aktiv in die Aushandlung demokratischer Prozesse und die Konstruktion demokratischer Strukturen einbezogen. Sie sollen nicht nur aktiv demokratische Strukturen (mit)konstruieren, sondern sich zudem selbstreflexiv mit der Gesellschaftsorganisation auseinandersetzen. Um dieses Ziel zu erreichen, ist ein erlebnis- und erfahrungsorientierter Handlungsraum vorgesehen, der Elemente der „Escape-Room-Idee“ aufnimmt. Auf einer weit abgelegenen Insel werden die Teilnehmenden als letzte Überlebende einer globalen Katastrophe eine neue Gesellschaft begründen und vor typische Probleme und Herausforderungen im Aushandeln gesellschaftlicher Systeme geraten. Dabei wird es um grundsätzliche Themen wie „Arbeit“, „Wohnen“, „Ernährung“, „Kultur“ und „Sicherheit“ gehen. Die Teilnehmenden konstruieren auf der Grundlage einer Ausgangsgeschichte auf dieser Insel ihre eigenen Gesellschaftsverträge und werden schließlich über diese auch in einem demokratischen Abstimmungsprozess entscheiden. Eine solche Insel existiert auch real. Sie heißt Tristan da Cunha, die entlegenste bewohnte Insel mitten im Atlantischen Ozean. Deswegen wird das neue Erlebnismuseum auch den Namen tragen: Tristan da Cunha – Abenteuer Demokratie auf einer Insel.

Somit bietet dieses erlebnis- und erfahrungsorientierte Konzept einen vielschichtigen Zugang zum Thema Demokratie und regt die Auseinandersetzung mit grundsätzlichen Fragen des Zusammenlebens in unserer Gesellschaft an. Diese Vermittlungspraxis berücksichtigt als ein zeitgemäßes Angebot die Freizeit-, Konsum- und Rezeptionsgewohnheiten der Teilnehmenden als auch aktuelle lern- und erlebnistheoretische Erkenntnisse. In einer ästhetisch ansprechenden Rauminszenierung erfolgt mithilfe von Handlungs-, Unterhaltungs- und Bildungselementen eine direkte Ansprache der Teilnehmenden mit allen Sinnen. Das kritische Auseinandersetzen mit unserer eigenen Gegenwart im Anschluss an das Spiel ist ebenso Teil des Gesamtkonzepts, sodass die Erfahrungen der fernen Insel auch für unser reales Zusammenleben reflektiert werden.

2.2 Stärkung der pädagogischen Arbeit

  • „Erzählcafés“ zur Nachbesprechung von Gruppen: Mit über 80.000 Besucherinnen und Besuchern sowie über 2.200 geführten Gruppen im Jahr ist das NS-DOK schon längst an seine Kapazitätsgrenze gestoßen. Immer wieder müssen Gruppen wegen Überfüllung abgewiesen werden. Die meisten Führungen sind mit 60 Minuten zeitlich sehr knapp bemessen. Es ist bedauerlicherweise eine Art Drehtür-Effekt entstanden, d. h. eine Gruppe verlässt relativ kurz nach dem Eintreten das Haus bereits wieder, ohne sich austauschen zu können. Dringend notwendig und von Lehrkräften sehr erwünscht sind daher Räume, in denen sich Gruppen nach einer Führung zurückziehen und das Gesehene reflektieren und vertiefen können. Daher sind drei Gruppenräume vorgesehen, die vor allem der Nachbesprechung und Vertiefung von Inhalten im Anschluss an Führungen durch die Ausstellung und Gedenkstätte dienen sollen. Diese Gruppenräume werden zu „Erzählcafés“ gestaltet und unterschiedliche Angebote bieten. In kleinen Tischgruppen werden z.B. einzelne weiterführende Themen besprochen und später auf einer kleinen Bühne präsentiert. Somit entstehen locker arrangierte Arbeitsbereiche, ohne dabei eine Klassenraumsituation herzustellen. Arbeitsmaterialien in diesem Café werden dementsprechend auf die Inszenierung bezogen angepasst werden – so dienen Papiertischdecken als Schreibunterlagen und vertiefende Informationen können über die „Speisekarten“ dieses Cafés bezogen werden. Als eine weitere Möglichkeit wird eine neue museumspädagogische App als Ergebnissicherung im Anschluss an Führungen eingesetzt.
  • „Kindersprechstunde“: Familienführungen und Angebote für Kinder werden in der pädagogischen Arbeit des NS-Dokumentationszentrums seit langem sehr erfolgreich eingesetzt und stoßen auf ein reges Interesse. Daher sollen zwei Räume hergerichtet werden, die für die „Kindersprechstunde“ genutzt werden. In einer Werkstatt mit einem großen Pool von Materialien und Medien können die Fragen der Kinder beantwortet werden. Das Angebot richtet sich an Schülerinnen und Schüler im Klassenverband (bis Klasse 6) und ist für auch für Familienführungen geeignet.

2.3 Stärkung der Info- und Bildungsstelle gegen Rechtsextremismus:

Die Info- und Bildungsstelle gegen Rechtsextremismus hat seit ihrer Gründung im Jahr 2008 eine sehr erfolgreiche Arbeit geleistet und gilt weit über die Grenzen Kölns als ein wichtiger Ansprechpartner zum Thema Rechtsextremismus sowie zur Förderung eines Bewusstseins für eine lebendige Demokratie. Die ibs ist in den letzten Jahren durch die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus und das Projekt „Qualifizierung und Begleitung“ auch personell stark gewachsen und benötigt daher neue, zusätzliche Räumlichkeiten. Auch den zivilgesellschaftlichen Akteuren in dem Netzwerk gegen Rechtsextremismus werden im „Haus für Erinnern und Demokratie“ Tagungsräumlichkeiten und Räume für die Durchführung von Projekten geboten.

2.3 Stärkung der Bildungsangebote:

Das NS-DOK benötigt Räumlichkeiten für große Bildungsangebote. Der bisherige Versammlungsraum im Pädagogischen Zentrum fasst lediglich rund 90 Personen. Auf der dritten Etage soll ein großer Veranstaltungsraum für 200 bis 300 Personen geschaffen werden. Auf der vierten Etage entstehen weitere Gruppen- und Workshopräume.

2.4 Erweiterung von Bibliothek und Dokumentation:

Dank der Erweiterung erhalten die Bibliothek und die Dokumentation für ihre Bestände bzw. Sammlungen weiteren Platz.“

 

Die notwendigen Mittel wurden bereits für 2019 in den Haushalt eingestellt. Für die Herrichtung der neuen Räume hat der Rat einmalig 450.000 Euro bewilligt und für die Mietzahlungen jährlich 240.000 Euro. Weitere Gelder werden über Spenden und Drittmittel eingeworben. Der Zeitplan sieht vor, dass bis Ende des kommenden Jahres der Umzug der anderen Dienststellen aus dem EL-DE-Haus erfolgen wird. Das „Haus für Erinnern und Demokratie“ wird dann 2019 fertig gestellt.

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