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Rassistischer Aufmarsch in Aachen mit Kölner Beteiligung

AC_02„Multikultur tötet“, meinen Neonazis und riefen daher am Samstagabend zu einem Fackelmarsch durch die Aachener Innenstadt auf. 90 Neonazis folgten dem Aufruf, darunter auch eine Gruppe aus Köln, die sich künftig in einer neuen Organisation zusammenfinden könnte. Weit über 1.000 Menschen setzten in Aachen zeitgleich ein deutliches Zeichen gegen Rechts.

Statements entlang der Route (Foto: mb)

Statements entlang der Route (Foto: mb)

 

Empfangen wurden die Rechten schon am Hauptbahnhof von rund 200 GegendemonstrantInnen, die sich an einer Kundgebung der Linksjugend Aachen beteiligten. Etwa 1.000 weitere NazigegnerInnen feierten am Aachener Elisenbrunnen ein multikulturelles Fest und setzten so ein Zeichen für Demokratie und Vielfalt. Immer wieder protestierten später GegendemonstrantInnen auch unmittelbar an der Demonstrationsroute. Einige AnwohnerInnen machten mit Sprechchören ebenfalls ihre Ablehnung deutlich.

Rassismus, Hitlerzitat und ein Strafverfahren

„Wenn eines Tages wieder eine andere Fahne über dem Reichstag weht..." (Foto: mb)

„Wenn eines Tages wieder eine andere Fahne über dem Reichstag weht…“ (Foto: mb)

„Aachen bleibt deutsch“ und „Deutschland den Deutschen – Ausländer raus“ skandierten die Neonazis bei ihrem Fackelmarsch durch die Innenstadt. Deutliche Worte fand auch Björn Rimmert (Die Rechte Hamm). In seiner Rede thematisierte er den Tod von Tim K., der in Soest von einem Migranten erstochen wurde. Der Täter wurde zu einer Jugendhaftstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt. „Dreieinhalb Jahre! Das ist den Justizbehörden und Politikern der BRD also ein deutsches Menschenleben wert. Kameraden! Ich weiß nicht, wie ihr das seht. Aber wenn eines Tages wieder eine andere Fahne über dem Reichstag weht, wer weiß dann schon, was uns so ein Volksverräterleben noch wert sein wird!“
In welcher Tradition von Rednern Matthias Drewer sich sieht, machte er in seinem Beitrag überaus deutlich: „Auch heute möchte ich eine Rede von mir wieder mit einem Zitat des allergrößten Staatsmannes aller Zeiten beenden. Leider darf ich den Namen in der Bundesrepublik nicht sagen“. Es folgte ein Zitat Adolf Hitlers aus seiner ersten Rede als Reichskanzler im Berliner Sportpalast.

Gegen einen der insgesamt sechs Redner wurde laut Polizei ein Strafverfahren eröffnet, weil er in einem Redebeitrag den Staat verunglimpft haben soll, berichtet grenzecho.net.

Von 2008 bis 2012 fanden jeweils im April rassistische Aufmärsche in Aachens Nachbarstadt Stolberg statt. Maßgeblich wurden diese von der seit 2012 verbotenen Kameradschaft Aachener Land organisiert. 2013 sprang die Partei Die Rechte dann als Demonstrationsanmelder ein. Die Polizei sprach dennoch ein Verbot aus. Auf Grund von Formfehlern des Anmelders hatte dieses auch vor dem Bundesverfassungsgericht Bestand. Dieses Jahr sah die Polizei jedoch keine ausreichende Handhabe für ein Verbot der thematisch, zeitlich und räumlich ähnlich gelagerten Demonstration in Aachen. Und so behielten die demonstrierenden Neonazis in einem einzigen Punkt recht: „Trotz Verbot sind wir nicht tot!“. Die Aachener Demo sehen die Rechten als Start ihrer Kampagne „Multikultur tötet!“, die „einen Standpunkt zur verfehlten Ausländerpolitik“ erarbeiten wolle. Weitere Aktionen sollen folgen.

Neue Kameradschaft aus Köln?

Neue Gruppierung aus Köln?

Neue Gruppierung aus Köln?

Auch eine Gruppe Kölner Neonazis reisten zur Demo in Aachen. Darunter ein ehemaliger Punker, der seit 2011 Neonazidemos in Nordrhein-Westfalen besucht. In Aachen trat er nun erstmals mit einem Pullover, auf dem in großen Lettern „Sturm Koeln“ stand, in Erscheinung. Bereits Anfang Februar veröffentlichte er bei Facebook eine Meldung, dass sich die „brand neue Kameradschaft Sturm Koeln“ gegründet habe. Bisher zeigten jedoch noch keine weiteren Neonazis öffentlich ihre Verbundenheit zu der Gruppe. (mb)

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