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Alemannia Aachen: Rechte Gewalt in der Fanszene

Rechter Dominanzanspruch: KAL-Schmierereien am Fan-Haus von Alemannia Aachen 2009.

In Aachen eskaliert die Gewalt in der Fanszene des Fußball-Drittligisten Alemannia Aachen. Nach dem Auswärtsspiel in Saarbrücken am Dienstag, den 7. August, griffen Hooligans und Mitglieder der „Karlsbande Ultras“ die Fangruppe „Aachen Ultras“ (ACU) an. Beide Gruppierungen unterstützen die Alemannia, stehen also eigentlich auf der „gleichen Seite“. Doch der Kampf um die Vorherrschaft im Stadion, wie er mit brutalen Mitteln von Seiten der „Karlsbande“ geführt wird, hat eine politische Dimension: Die „Aachen Ultras“ (ACU) sprechen sich offen gegen Rassismus und Diskriminierung im Fußball aus. In den Reihen der „Karlsbande Ultras“ und der Aachener Hool-Szene sind hingegen Neonazis der „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL) aktiv.

Brutaler Angriff nach dem Schlusspfiff

Nach dem Schlusspfiff in Saarbrücken verließen die „Aachen Ultras“ als erste Fangruppe das Stadion und liefen in Richtung ihres Reisebusses. Dort erwartete sie bereits eine Gruppe von Aachener Hooligans und Fans mit Stadionverbot, die die „Aachen Ultras“ unvermittelt angriffen, so die Schilderungen von Augenzeigen. Nachrückende Personen aus dem Umfeld der „Karlsbande Ultras“ schlugen nun ebenfalls die ACU-Leute ein. Die Schlägerei habe fast 10 Minuten gedauert, bevor die Polizei eingriffen habe und sich die Angreifer, unter denen sich auch viele bekannte Neonazis befanden, zurück zogen. In der aufgeheizten Stimmung skandierten „Karlsbande“-Mitglieder gemeinsam mit Neonazis Parolen wie: „Kaiserstadt Hooligans“ und „Wir sind Aachener und ihr nicht“.

Während sich einige der Angegriffenen in ihren Bus flüchten konnten, wurden andere vor dem Stadion zusammengeschlagen. Eine Person aus dem Umfeld der „Aachen Ultras“, die es nicht in den Bus geschafft hatte, wurde zu Boden gebracht und von bis zu 15 Personen malträtiert. Ein Fanbetreuer musste sich auf den Angegriffenen werfen, damit endlich von ihm abgelassen wurde. Versuche den Bus der „Aachen Ultras“ zu stürmen, misslang.

Das „Bündnis Aktiver Fußball-Fans“ (BAFF) verurteilt in einer Stellungnahme den Angriff, der allerdings „nur der traurige Höhepunkt einer Reihe von körperlichen Übergriffen“ gegen die „Aachen Ultras“ sei. Das Bündnis spricht von über 100 Angreifern, die zum Teil Fahnenstangen, Flaschen und Gürtel als Waffen eingesetzt hätten.

Nicht der erste Vorfall

Der Angriff am Dienstag ist nicht der erste Vorfall dieser Art in der Aachener Fanszene. Erst wenige Tage zuvor, nach dem Spiel Alemannia gegen die Zweite Mannschaft des BVB, attackierten Personen der „Karlsbande“ mehrere Autos von sich auf dem Heimweg befindlichen „Aachen Ultras“.

Bereits Ende des Jahres 2011 kam es zu schwerwiegende Zwischenfällen in der Fanszene. Bei dem Heimspiel Alemannia gegen Aue, verschafften sich 25 bis 30 Anhänger der „Alemannia Supporters“ Zutritt zu dem Fanblock der „Aachen Ultras“. Eingangs versuchten zwei Anhänger der „Supporters“ vergebens ACU-Fahnen zu entreißen, folgend wurden Anhänger der „Aachen Ultras“  und selbst der einschreitende Ordnungsdienst attackiert. Angeheizt wurde die Situation von Anhängern der „Karlsbande“, die hinter der Blockabsperrung standen und Gegenstände in den Ultras-Block warfen. Ein verletzter Ordner musste sich aufgrund eines Bruchs in der Hand längerfristig in Behandlung begeben.

Am darauf folgenden Spieltag in Braunschweig verwehrte die „Karlsbande“ den „Aachen Ultras“ und der Leiterin des Fanprojekts den Zugang zum Gästeblock. Begleitet wurde dieses Szenario durch  gezieltes Abfotografieren sämtlicher Fans, die gemeinsam mit den Aachen Ultras anreisten, von einem Mitglied der „Kameradschaft Aachener Land“.

Neonazis in der Fanszene

In keiner anderen Fanszene im Rheinland sind die Probleme so groß wie bei Alemannia Aachen. Neonazis der „Kameradschaft Aachener Land“ sindim Umfeld von Gruppen wie der „Karlsbande“ aktiv. Sie sind als Teil der Fanszene geduldet und versuchen so vor allem junge Männer für ihre Ideen zu begeistern. Zumal auch unter vielen nicht neonazistisch organisierten Fans  das Tragen von Marken wie „Thor Steinar“ beliebt ist. „Aachen war rechts und wir immer rechts bleiben“, glaubt ein Teil der Alemannia-Fans. Mit Sascha Wagner steht außerdem ein langjähriger NPD-Kader in der Kurve. Wagner ist zwar nicht Mitglied bei den „Karlsbande Ultras“, sympathisiert aber mit ihnen. Gemeinsamkeiten finden sich auch in der Feindschaft zu den „Aachen Ultras“ (ACU), die Wagner im Internet als „Zeckenultras“ beschimpfte. Auch im Stadion werden Mitglieder von ACU mit antisemitischen und homophoben Sprüchen beleidigt.

Die „Karlsbande Ultras“ entstanden 2010 und hatten sich von den ACU gelöst, weil sie unter anderem deren antirassistisches Engagement nicht teilten. Offiziell bezeichnet sich die Gruppe als „unpolitisch“, duldet aber Neonazi-Aktivisten in ihren Reihen. Bei Heimspielen stehen die beiden Ultragruppen in getrennten Blöcken, trotzdem ist eine Koexistenz beider Gruppierungen nicht erwünscht. Die Angriffe auf Mitglieder der ACU haben zum Ziel, die Vorherrschaft im Stadion gewaltsam durchzusetzen. Die „Aachen Ultras“ sollen zum Rückzug gezwungen werden.

Politische Dimension des Konflikts

Der Konflikt ist aber nicht ausschließlich einer zwischen zwei konkurrierenden Ultragruppen. Die „Aachen Ultras“ stehen den extrem rechten Dominanzbestrebungen im Wege, weil sie sich gegen Rassismus, Homophobie und andere Formen der Diskriminierung aussprechen. Die Neonazi-Szene in Aachen begreift den Tivoli als ihren Einflussbereich. Die ACU als antirassistische Gruppe sind das erklärte Feindbild der Neonazis. Der Konflikt hat so eine politische Dimension.

Bereits im Dezember 2011 kündigte der Verein Konsequenzen gegen die Gewalttäter an, doch scheinen diese keine nachhaltige Wirkung erzielt zu haben. Vertreter aus der Politik und der Fanszene fordern nun harte Sanktionen gegen die „Karlsbande“.

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