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Razzien gegen neonazistischen „Freundeskreis Rade“

"Werden die Zeiten härter, gehen wir in den Untergrund!" (Website-Screenshot: ibs)

Die Polizei Köln durchsuchte heute morgen 22 Objekte vor allem in Radevormwald, aber auch in Düsseldorf, Wuppertal und Essen. Darunter befanden sich auch die Räumlichkeiten von „pro NRW“ in Radevormwald. Die Partei sitzt dort in Fraktionsstärke im Stadtrat. Die Polizeiermittlungen richten sich  gegen 18 Beschuldigte, die der neonazistischen Kameradschaft „Freundeskreis Rade“ und deren Umfeld zugerechnet werden. Polizei und Staatsanwaltschaft werfen ihnen die „Bildung einer kriminellen Vereinigung“ vor.

Große Waffenfunde

Es wurden drei Haftbefehle gegen einen 20-jährigen und zwei 18-jährige vollstreckt. Die 16 anderen Beschuldigten wurden zur Erkennungsdienstlichen Behandlung in das Polizeipräsidium Köln gebracht. In annähernd 30 Einzelverfahren sei deutlich geworden, dass sich der „Freundeskreis Rade“ zusammen geschlossen habe, um rechtsextremes Gedankengut umzusetzen, so die Polizei in einer Pressemitteilung. Es bestünde der Verdacht, dass im Rahmen dieses Zusammenschlusses erhebliche Straftaten begangen worden seien. Die Polizei beschlagnahmte bei den Durchsuchungen ein umfangreiches Waffenarsenal. So wurden mindestens eine scharfe Feuerwaffe sowie zahlreiche Messer, Schlagringe, Macheten und Wurfsterne sichergestellt. Ebenso fanden die ErmittlerInnen NS-Devotionalien.

Neonazistische Kameradschaft

Glückwünsche für Adolf Hitler (Screenshot: ibs)

Der „Freundeskreis Rade“ tritt seit Frühjahr 2011 öffentlich in Erscheinung, zuvor hatte die neonazistische Szene wechselnde Gruppennamen wie „NS Rade“ oder „Rader Jugend“ benutzt. 2011 verübten Mitglieder der Gruppe mehrfach schwere Gewalttaten gegen MigrantInnen und vermeintliche politische GegnerInnen. Auch die örtliche Moschee wurde beschädigt. Menschen, die sich den Neonazis öffentlich entgegen stellten, wurden diffamiert und bedroht. Am 14. Mai 2011 versammelten sich zudem 45 Neonazis zu einer nur kurzfristig beworbenen Kundgebung auf dem Marktplatz von Radevormwald. Die Kundgebung zeigte, wie stark die lokalen Neonazis mittlerweile in das landesweite neonazistische Netzwerk integriert waren. Besonders gute Kontakte bestehen zu den „Nationalen Sozialisten Wuppertal“. In der Nachbarstadt hat sich in den vergangenen drei Jahren eine der umtriebigsten und gewalttätigsten Neonazi-Szenen in NRW entwickelt, deren Einflussnahme auf die Neonazis in Radevormwald deutlich spürbar war.

Kontakte zu „pro NRW“

NS-Graffitis in Radevormwald (Foto: ibs)

Obwohl der „Freundeskreis Radevormwald“ als gewaltbereite neonazistische Kameradschaft bezeichnet werden kann, gibt es keine in diesem Spektrum sonst übliche Abgrenzung zu der als „populistische System-Kapser“ verhöhnten „Bürgerbewegung pro NRW“. AktivistInnen, die sich noch vor wenigen Jahren unter dem Label der pro-Jugendorganisation „pro Jugend Bergisches Land“ betätigten, treten nun im Umfeld des „Freundeskreises“ auf und beteiligen sich an überregionalen Neonaziaufmärschen. Zugleich nehmen einige dieser jungen Erwachsenen weiterhin an pro NRW-Veranstaltungen teil oder sind sogar als Vertreter der rechtspopulistischen Partei in Ausschüssen des Stadtrats  vertreten. Zwischen „pro NRW“ und den Aktiven des „Freundeskreis Rade“ bestehen zahlreiche Verbindungen. Bei mindestens zwei der Festgenommen fand die Polizei auch Mitgliedsausweise von „pro NRW“. Im Fraktionsbüro der Partei wurden Materialien und ein Kopier beschlagnahmt.

Mobile Beratung vor Ort aktiv

Die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus im RB Köln unterstützte im letzten Jahr verschiedene Akteure vor Ort in der Auseinandersetzung mit den extrem rechten Aktivitäten. So wurde u.a. die Stadtverwaltung Radevormwald und der „Runde Tisch gegen Rechts“ beraten. Einen ausführlichen Bericht dazu finden Sie hier.

Bericht zum Thema in der Aktuellen Stunde mit Mitarbeitern der Mobilen Beratung vom 25.04.2012:
http://www.youtube.com/watch?v=3Aytt3eUtW8
Bericht zum Thema in der Lokalzeit Wuppertal mit Mitarbeitern der Mobilen Beratung vom 07.05.2012: http://www.wdr.de/mediathek/html/regional/rueckschau/lokalzeit_bergisches_land.xml
Reportage über die rechte Szene in Radevormwald bei Menschen hautnah:
http://www.youtube.com/watch?v=ut8VoEpjMk4

 

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