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Braune Ideologie in sozialen Netzwerken

Soziale NetzwerkeFacebook, Twitter, YouTube – soziale Netzwerke sind gerade aus dem Alltag Jugendlicher nicht mehr weg zu denken. Hier werden Informationen ausgetauscht, Diskussionen geführt, Verabredungen geplant und Kontakte geknüpft. In vielen sozialen Netzweken tummeln sich auch RechtspopulistInnen und Neonazis, die auf die ein oder andere Weise für ihre Ideologie werben, Präsenz zeigen, sich vernetzen oder Menschen bedrohen. Nutzer/innen und Administrator/innen sozialer Netzwerke sind damit gemeinsam in der Verantwortung auf menschenfeindliche Ideologien angemessen zu reagieren.

 Soziale Netzwerke als Forum für Menschenverachtung

Während herkömmliche, also statische Webseiten nur einen Informationsfluss von Administratoren zu Besucher/innen zulassen, sind soziale Medien auch darauf ausgerichtet einen unmittelbaren Austausch zwischen Leser/innen und Verfasser/innen herzustellen. Für Rechte eröffenet sich hier die Chance leichter als je zuvor mit szenefremden Menschen in Kontakt zu kommen und eigene Inhalte schnell und einfach großen Personenkreisen zugänglich zu machen.

In sozialen Netzwerken tummeln sich nicht nur offen auftretende Nazis und sich bürgerlich gebende Rechte. Die Fülle der Profile spiegelt längst die Ausdifferenziertheit der rechten Szenen wieder: von klassischen Kameradschaften über vermeintlich moderne „Autonome Nationalisten“, antisemitische Verschwörungszirkel und geschichtsrevisionistische Gruppen bis hin zu muslimfeindlichen Seiten und den professionell gestalteten Profilen der Rechtsparteien reicht die online vertretene Bandbreite. Bei aller Unterschiedlichkeit tragen doch alle Akteure der extremen Rechten, ob bewusst oder unbewusst, zu einer Normalisierung extrem rechter Ideologie bei.

 

Wie es Rechten gelingt Meinungsführerschaften zu übernehmen zeigt etwa eine Facebook-Seite, die für sogenannte „Kinderschänder“ die Todesstrafe forderte. Bevor die Seite gelöscht wurde sind mehrere zehntausend Menschen Fan geworden und brachten so ihre Unterstütztung einer prominenten Forderung von Neonazis zum Ausdruck. Statt Werten des Lebens und der Resozialisation sollen autoritäre Strafbedürfnisse im Sinne nationalsozialistischer Ideologie vermittelt werden. Geschickt nutzen Nazis emotional besetzte Themen, die auch bei relevanten Teilen der Gesellschaft anklang zu finden scheinen.

Häufiger finden sich extrem rechte Positionen unverdächtig platziert neben Hobbys und Familienbildern in scheinbar normalen Profilen. Menschenfeindliche Einstellungen erscheinen hier wie eine unter vielen legitimen privaten Interessen.

Verbote als Gegenstrategie?

Lassen sich herkömmliche Naziwebseiten, zumindest in Deutschland, relativ leicht abmahnen und löschen gestaltet sich das restriktive Vorgehen gegen extrem rechte Aktivitäten in sozialen Netzwerken weitaus schwieriger. Zwar helfen Meldebuttons unangemessene Inhalte den Betreiber/innen sozialer Netzwerke aufzuzeigen. Dass die Betreiber/innen allerdings tatsächlich handeln ist damit noch nicht sichergestellt. Mit Blick auf die schier unendliche Flut extrem rechter Postings scheint es dazu weder mittel- noch langfristig realistisch menschenfeindliche Inhalte restriktiv zu verbannen.

Viel wichtiger ist es für Nutzer/innen selbst Position zu beziehen und eine Gegenöffentlichkeit herzustellen – ganz analog zum Vorgehen in der Offlinewelt. Jedes rechte Posting ist auch eine Chance konkret anderen Nutzer/innen zu zeigen, wieso diese Position verwerflich ist und welche Werte anstelle brauner Ideologie wichtig sind. Um einer Normalisierung rechter Statements entgegen zu wirken und an einer Bewusstseinsbildung für Demokratie und Menschenrechte mitzuwirken, ist Widerpsruch zu rassistischen Parolen auch im Internet gefragt. Nicht zuletzt geht es auch darum solidarisch mit denjenigen zu sein, die von rechter Hetze betroffen sind und ihnen Unterstützung zu signalisieren.

Auch die Portale selbst haben die Möglichkeit etwa mit eigenen Kampagnen oder entsprechenden Passagen in den allgemeinen Geschäftsbedingungen Stellung gegen extrem rechte Ideologie zu beziehen und danach zu handeln. Engagierten Nutzer/innen empfiehlt es sich daher auch Portalbetreiber/innen selbst an ihre Verantwortung für ein virtuelles Zusammenleben ohne Diskriminierung zu erinnern. (mb)

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